neuere Presseartikel siehe: http://www.pakery-kulturbaum.ch/presse.vita.html
Basler Zeitung Regio Magazin Renate Dürst Journalistin Kunsthistorikerin: Brave schöne Pflanzenwelt! In ihren Arbeiten erzählt Paula Pakery Keller Geschichten, die dichte Assoziationsströme auslösen.
Mit Kreativität und Fantasie weiss die Basler Künstlerin Paula Pakery Keller seit Jahren auf sich aufmerksam zu machen. Experimente mit den Medien Fotografie, Film, Video gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie die klassische Malerei oder die mit den Werkstoffen Glas und Stahl operierende Objektkunst.
ARCHAISCH. Im Zentrum ihres Schaffens steht insbesondere die Malerei, in der sich Pakery Keller archaischer Materialien und sehr direkter, ursprünglicher Bildformulierungen bedient: zum Beispiel Bienenwachs, der - in dicken Lagen auf die Leinwand appliziert und mit geheimnisvollen Zeichen, Signalen und Chiffren durchritzt - atmosphärisch dichte Assoziationsströme auslösende Geschichten erzählt.
VERSCHWOMMEN. Ihre letze Ausstellung vom 16. Dezember bis 15. Januar 2006 in der Galerie Zangbieri Unterer Rheinweg 22, Basel “Blicke in die Pflanzenwelt zeigt Paradiesische Orte «mit schönen Bäumen, Pflanzen, Früchten, Blumen, Nektar und Honig». Diese öffnen sich bei jenen Leinwandarbeiten, in denen die Künstlerin Paula Pakery Keller mit verschwommener elektronischer Nachbearbeitung ungestüme Neugier auf das «Dahinter» weckt.
Basler Zeitung, Dreilandzeitung, Sigmar Gassert, Dozent für Medienwissenschaft:
Was man phänomenal vorfindet in Pakerys Arbeiten, ist die Variation des Bekannten auf das Unbekannte hin, das Reden in Bildern über unser Dasein. Das geschieht in altbekannten Zeichen und Symbolen, gern in einfachen Grundmustern der Geometrie und, man staune, mit einem unsäglichen Hang zum Glückseligen, denn vom "Göttlichen im Menschen" ist da schon mal die Rede. So hoch empor wollen wir ganz Normalen lieber nicht und lassen uns von den Collage-Arbeiten beeindrucken, immer wieder seriell von Foto ab Video das eine als das jeweils andere Frauengesicht. Die Augen geschlossen, auf dass sich die Fantasie wild gebärden kann....
Basellandschaftliche Zeitung Annemarie Maag: Pakery zeigt im Museum CH-Arlesheim/Basel (24. 05 - 10.06.07) zum Thema Lebenskreis verschiedene Techniken. Installationen vor dem Museum mit Kleinskulpturen wie auch geflügelte, geheimnisvoll beleuchtete Vliesfiguren, die im Ausstellungsraum bis an die hohe Decke gehen, stechen zuerst ins Auge. Daneben gibt es Malerei auf Bienenwachsbasis mit Mineralfarben in reicher, dezenter Abstufung und ausserordentlich schöne Computerprints, alles thematisch eingebettet in den Jahreskreis, in Lebenskreise und -linien, in den Zeitenlauf und ins Stirb und Werde. So betrachtet ist die Ausstellung ein Gesamtkunstwerk; sie lässt die gedämpften natürlichen Töne der Bienenwachsbilder organisch ineinander übergehen. Gewöhnlich vermeidet man es eher, Computerdrucke neben gemalte Bilder zu hängen; hier bereichern sie sich gegenseitig.
Wochenblatt für das Birseck - CH-Arlesheim/Basel Dora Mince: Nachdenken mit Pakery (24. 05 - 10.06.07)
Eine raumprägende und ergreifende Installation von Pakery empfängt den Besucher im Erdgeschoss des Museums. Um das aufstrebende Gebälk verbinden sich Erde, Feuer, Wasser und Luft transparent und sanft aufsteigend -einem Lebensfluss gleich- in paradiesischen Flügeln endend. An den Wänden hängen Bilder aus dem faszinierenden Material Bienenwachs. Sie holen den Betrachter irgendwie und irgendwo im eigenen Lebenskreis ab. Ein Computeranimation "Lucky-Clover" und die daraus erstellten Drucke laden zum Meditieren ein. Auf dem Vorplatz befindet sich eine weitere Installation aus natürlichen Materialien mit archaischen Sujets des Lebensrades und -kreises. Die Skulpturen symbolisieren die 4 Elemente, das 5. in der Mitte den Menschen und die Liebe. Auf dem angrenzenden historischen Friedhof mit dem von ArlesheimerInnen (R. Kohler) gepflegten Bauerngarten präsentiert Pakery ihre Schautafeln zu den Pflanzen in Form von spannenden kleinen Geschichten.......Es sind eingefangene, festgehaltene Zeitdokumente. Eindrückliche Dinge, die durch ihr Dasein und dem Lauf der Natur mit einem ureigenen Lebenskreis gezeichnet worden sind. Sie veranlassen ein Nachdenken.....Ein Besuch ist sehr zu empfehlen.
Basellandschaftliche Zeitung Stefy Plattner Galerienbummel Zangbieri 2005/06 Unter dem Titel "Blicke in die Pflanzenwelt" präsentiert Pakery rund 40 Arbeiten. "Mixedmedia" weist aufg die verschiedenen Techniken hin. Dabei geht es vielfach um fotografische oder malerische Unterlagen, die anschliessend in Computertechnik überarbeitet worden sind. Durch Einblicke in das Innere einer Blüte beispielsweise, entdeckt Pakery die geheimnisvollen Strukturen von Staubfäden oder Samenelementen, die dann in anderen Bildern in vergrösserter, schwebender Form wieder auftauchen. Rhythmisch gegliedert vermitteln gelegentlich vertikal gestaltete Umsetzungen von Pflanzenfasern den Eindruck starken Wachstums, während an anderer Stelle grossformatige Kompositionen von gitterartigen Computerrastern überlagert werden.
exhibition dialogue with our human being gallery bél-etage, UBS CH-Basel - author: Dr. Niklaus Comunetti, Communication Consulting
Der Künstler Kasimir Malewitsch sieht in den elementaren Grundformen den Nullpunkt, d.h.. den tiefsten Punkt der gegenständlichen Reduktion. Wenn er vom Gegenstand abstrahiert, bis am Schluss nichts mehr übrig bleibt, kommt er auf die Formelemente Kreis, Kreuz, Rechteck und Dreieck. Er hat seine Betrachtungsweise "Suprematismus" genannt. Er strebte eine Befreiung von jeglicher sinnlicher Bestimmtheit an. Und genau das Gegenteil die Künstlerin Pakery. Sie vollzieht keine Marschübungen im emotionalen Sibirien. Sie akzeptiert die Sinnlichkeit. Sie beseelt die vorhandenen Grundformen und lässt sie aus diesem Nullpunkt aufsteigen. Sie gibt ihnen Wärme, bewegt, verändert und belebt sie. Die Formen werden dem Betrachter einfühlbar und bgreifbar. Pakery lässt uns teilnehmen an dem, was sie fühlt, was sie sieht, will sie doch in ihrem Schaffen nicht auf der geistig abstrakten Ebene bleiben, sondern in einem Dialog mit dem Betrachter treten, will sie doch in ihrem Schaffen nicht auf der geistig abstrakten Ebene bleiben. Dabei stösst sie auch in archetypische Bereiche vor..
Eines der vier Formelemente ist der Kreis. Er gilt generell als Ausdruck der Erleuchtung und der Vollkommenheit. begrenzt einerseits, aber schafft andererseits neue Räume. Somit stossen mit ihm Kreis bereits auf eine erste Polarität, die bei Pakery sehr stark zum Ausdruck kommt: Innen und Aussen, Ecken und Kanten, Rundungen und Bewegungen. Die Kreise, die sie zieht - betrachtet man die ersten ihrer Lithos - sind keine Kreise, welche korrekte, abstrakte Formen sind. Sie sind nicht vollkommen, sie sind nicht geometrisch, sondern sie sind intuitiv geschaffen. Der Kreis beginnt sich zu drehen. Wenn Sie vor diesen Bildern stehen, kommen Sie mit in die Bewegung hinein. Ein Kreis, der sich dreht, ist wie ein Lebensrad und ein Symbol von Zeit(ablauf) und, wenn der Kreis sich schliesst, auch ein Symbol der Ewigkeit. Der Kreis hat auch einen Bezug zur Stadt. Plutarch schilderte die Gründung von Rom folgendermassen: Man rief wichtige Leute zusammen, aus verschiedenen Gegenden, grub eine runde Grube und füllte sie mit Erde aus den verschiedenen Landesteilen. Um die runde Grube zog man einen grossen Kreis mit einem Pflug und an vier Punkten dieses Kreises nahm man die Pflugschar heraus, damit dort der Boden nicht aufgeritzt wird. Der Kreis bezeichnete den Umfang der Stadt und an den vier Oeffnungen wurden die Tore eingebaut.
Es ist interessant, dass Pakery mit Kreis und Quadrat gleichzeitig arbeitet. Man redet ja vom quadratischen Rom, von der quadratischen Stadt und trotz-dem hat sie den Kreis gewählt. Hier scheint sie eine intuitive Erahnung zur Stadt und Bezug zu Rom geschaffen zu haben und zwar dort, wo sie die braune Fläche mit dem doppelten Kreuz malt ("archaischer Kreis"). Der Kreis, so der Geometrieunterricht, sei der geometrische Ort aller Punkte, die sich um einen Punkt herum im gleichen Abstand befinden. Pakery arbeitet mit Punkten, mit Erlebnispunkten. Sie nimmt das, was sie erlebt, auf, anders als wir. Punkte, die sie bewegen, reiht sie zu einem Bild, zu einem Kreis, aus dem sie aber wiederum ausbricht. Sie muss über dieser Dimension hinaus. Der Kreis dreht sich weiter und dringt in die dritte Dimension: in die Spirale. Sie schafft mit der Rotation/Spirale eine Höhe und gleichzeitig einen Raum. Oben auf der Spitze siedelt sie den Kopf an. Der Kopf bedeutet nicht, das was man von aussen betrachtet, sondern der Kopf steht für Zentrum, das von innen her lebt, wo der Mensch sich entfalten und sich so zeigen kann wie er wirklich ist.. Deshalb haben diese Köpfe nicht Augen, Mund, Nase, also nicht das Gesicht, das wir von aussen sehen, sondern sie übernehmen die innere Vision. Das Aeussere sieht man nur, wenn man in den Spiegel schaut.
Pakery befasst sich intensiv mit Räumen. Sie will ergründen, erfahren, wieweit sie in ihnen vorstossen kann. Neben ihrer geistigen Ausrichtung ist bei ihr ebenso eine Physikalität erkennbar. Daran erinnern die "Torsi" Pakerys. Sie trägt mit abgestumpftem Pinsel Tusche auf die Lithosteine, entfaltet hier eine Auseinandersetzung mit dem Material und bringt so ihre Physikalität voll zum Ausdruck. Für die Lithos verwendet Pakery handgeschöpftes Bütten-papier, um so die Struktur in Werken mit zum Tragen zu bringen. Sie schafft zwischen ihren Räumen Durchgänge im physischen wie im psychischen Bereich. Werke wie "Eingang", "Pforte", "Tor", "Precious" visualisieren dies. Ein Durchgang, welcher speziell im geistigen Bereich zum Tragen kommt, findet sich im Bild "Kreuzgang". Das leicht orange Kreuz, auch wieder keine vollkommene Form, sondern eine aufgerauhte, natur- und baumstammhafte Form, wo das Kreuz vor einer leicht blauen Rundung steht und so eine Sogwirkung erzeugt, eine Rundung, die ins Jenseits zielt. Das Kreuz ist ein vorgeschichtliches Zeichen, es bedeutete damals das Zentrum des Universums. Ein positives Zeichen also, für den Weg, den wir gehen dürfen.
In ihren Bildern finden wir ein vergeistigtes Licht. Dies vor allem in den Bildern: "Toren", "Kathedralen", "Transparenz". Dazu ich erzähle nun etwas, was sicherlich etwas schockieren wird: Eine Person, welche scheintot war, hat ganz spontan ein Bild von Pakery erworben, weil sie in jenem Bild den gleichen Sog erkannte, welchen sie im Moment verspürte, als sie wieder ins Leben zurück kehrte. Deshalb glaube ich, dass die Bilder weit mehr sind, als nur ein Ausdruck von konkreten Erlebnissen: Sie sind eine Ahnung von Phänomenen, die hinter den Dingen stehen. So hat es Menschen gegeben, die Bilder von Pakery gekauft haben, um Licht in einen Raum zu bringen.
Ein Teil der Bilder können als Chiffren betrachtet werden, als Symbole, die zwischen dem Bewusstsein und dem Unterbewusstsein vermitteln. Nun zu den Bildern mit den aufeinandergestellten Dreiecken:"das paradiesische Paar", was aussieht wie zwei aufeinandergestellte Dreiecke, zeigt in Wirklichkeit eine Vereinfachung der Form vom sogenannten "Yantra der Erhabenheit". Dies ist ein hinduistisches Zeichen. Zwei göttliche Wesen, die Shakti und der Shiva, welche sich im geistigen Raum begegnen, verdichten sich in der irdischen Welt. Beim Betrachten dieser Bilder sehen Sie einerseits das Ruhen und andererseits die Bewegung. Im ursprünglichen Yantra, also im mystischen Diagramm, befindet sich in der Mitte, wo die Dreiecke zusammen kommen - es sind insgesamt neun Dreiecke - fünf für das weibliche und vier für das männliche Prinzip, ein Punkt. Dieser Punkt ist zugleich Ruhe und geballte Energie. Der sogenannte Bindu ist der Kern der verdichteten Energie, der Kern des Urklangs.
Der meditierende Mensch hat Gelegenheit von der realen Welt langsam zu diesem Energiepunkt zu kommen. Und manchmal, wenn man weiss, wie Pakery lebt, hat man den Eindruck, sie sei quasi dieser Energiepunkt, manchmal auseinanderstrebend, explosiv, und manchmal wieder die Ruhe selbst. Die Bilder von Pakery sind im Wesentlichen eine Art Meditationsbilder. Sie geben Rechenschaft und Zeugnis einer universellen Gläubigkeit unserer Künstlerin. Aber diese Bilder, im Gegensatz zu anderen Bildern, verbreiten weder Angst noch Mief, sondern sind natürlich wie unsere Künstlerin selbst.
Sie verfügt über eine intuitive Kreativität. Sie malt, sägt, schweisst schraubt und hämmert. Werke aus "Kotflügeln" von Unfallautos entstehen, plastifiziert zu neuen Formen und zu neuen Einsichten. Sie schreibt auch kämpferische Artikel zugunsten der Kunst, unseres gemeinsamen Lebens. Sie braucht Widerstand: Stein/Stahl.
Gewisse Bilder werden schichtenweise erarbeitet, immer wieder aufgerissen. Durchblicke werden so geschaffen. Sie übermittelt uns Botschaften; umgekehrt ist sie wach, nimmt laufend solche auf und verarbeitet sie. Sie verewigt Augenblicke. Sie formuliert, d.h.. sie gibt ihren Erlebnissen Formen. Und dies alles vor dem Hintergrund erlebter Geschichten, Empfindungen und tiefer Einsichten. Sie macht manchmal einen demütigen Griff ins kollektive Unbewusste und dann wieder eine willentlich offene Hand und lässt uns so von ihren Schätzen auch profitieren. Es sind keine Bilder, die wir objektiv betrachten sollen, sondern lassen wir uns ruhig subjektiv herumschleudern. Wir fallen wieder auf die Füsse, und der Kopf bleibt oben. Dann können wir uns selbst in diesen Bildern wiedererkennen, Bilder, die aus dem Erlebnis kommen, umgeformt und überhöht durch die künstlerische Kraft.
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